Spastik

Spastik ist eines der häufigsten Symptome der Multiplen Sklerose (MS) und wird als Muskelsteifheit definiert, die häufig verallgemeinert wird und zu mehr oder weniger andauernder Muskelstarre führt.

Was ist Spastik?

Die Muskeln des Körpers haben einen sogenannten „normalen Muskeltonus”. Aufgrund dieser Muskelspannung können wir uns aufrecht halten und gehen. Erhöht sich die Spannung in diesen Muskeln, werden sie steif und als „spastisch“ bezeichnet. Wenn Muskeln spastisch werden, nimmt ihre Bewegungsfähigkeit ab und die Bewegung dieser Muskeln kann schmerzhaft sein.

Spastik ist eines der häufigsten Symptome der Multiplen Sklerose (MS). Sie wird als Muskelsteifheit definiert, die häufig verallgemeinert wird und zu mehr oder weniger andauernder Muskelstarre führt. In der Regel kommt es zu vorübergehenden Verschlechterungsphasen in Form von unwillkürlichen Muskelkrämpfen, während die normale Muskelfunktion allmählich verloren geht.

Spastik ist einer der Hauptgründe für eine Behinderung bei MS-Patienten, da sie mit (andauernden oder krampfartigen) Schmerzen einhergeht, die Blasenfunktion und Schlafgewohnheiten beeinträchtigt und das Gehen und andere Bewegungen behindert, auch solcher, die zur Körperpflege erforderlich sind.

MS-Spastik-Symptome

Bei MS-Patienten, die unter Spastiken leiden, können verschiedene Symptome auftreten. Dazu gehören:

  • Hypertonus (erhöhter Muskeltonus), der in einigen Fällen zu Muskelsteifheit und steifen Gelenken führen kann.
  • Spontane Muskelaktivität in Form von unkontrollierbaren Muskelkrämpfen, die entweder isoliert oder als Folge schneller Muskelkontraktionen (genannt Klonus) auftreten können.
  • Übertriebene Sehnenreflexe

Diese verursachen:

  • Leichte (verspannte Muskeln) bis schwere Schmerzen (schmerzhafte Krämpfe in den Gliedmaßen)
  • Nächtliches Aufwachen durch Schmerzen und/oder durch Steifigkeit
  • Verschlechterung der Muskelfunktion, die das Gehen sowie alle anderen Arten von Bewegungen sowie das Sprechen beeinträchtigen kann

Diese Symptome der Spastik können zu funktionellen Störungen führen, dazu zählt auch eine veränderte Haltung aufgrund eines erhöhten Muskeltonus (Muskelspannung oder -aktivität). Die Muskeln haben normalerweise einen angemessenen Muskeltonus. Damit halten sie den Körper aufrecht und lassen Bewegungen zu. Dabei müssen Dehnung und Schnelligkeit in der Bewegung gleichzeitig möglich sein.

Spastik ist auf einen erhöhten Muskeltonus zurückzuführen, der sich in einem Verlust der Muskelreaktion äußert.

Diese Auswirkungen können die Patienten sehr müde machen und die täglichen Aktivitäten zu einer großen Herausforderung werden lassen.

Spastik kann zudem folgende Auswirkungen haben:

  • Probleme bei Arm- und Beinbewegungen: MS-Patienten mit Spastik leiden oft unter eingeschränkter Mobilität und Einschränkungen bei den Alltagsaktivitäten. Dies bedeutet häufig auch eine verminderte Lebensqualität und große Umstellungen im Alltag.
  • Fatigue/fehlende Energie: tritt bei über 90 % der MS-Patienten auf. Durch Spastik bedingte Fatigue (Müdigkeit) kann erhebliche Auswirkungen auf das Arbeitsleben und die sozialen Kontakte der Patienten haben.
  • Blasenfunktionsstörung: ist ein sehr häufiges Problem bei MS-Patienten, die infolgedessen immer wieder zur Toilette gehen müssen.
  • Schlafstörungen: tragen bei MS-Patienten am meisten zur Fatigue (Müdigkeit) bei.
  • Krämpfe: plötzliche, schmerzhafte Muskelkontraktionen, die den Schlaf stören und zu Müdigkeit am Tag führen können.

Spastik kann das Gehen, Hinsetzen oder Aufstehen, Baden, Dehnen, Anziehen oder andere tägliche Aktivitäten erschweren. Außerdem berichten einige Patienten, dass unkontrollierbare Krämpfe oft zu unangenehmen Situationen führen. Deshalb sollte der Patient ganz offen mit seinem Umfeld darüber sprechen (z. B. Familienmitglieder, Freunde, medizinisches Personal).

Nicht alle Patienten, die an Spastik leiden, haben Schmerzen. Schmerzen sind meistens auf Muskelsteifheit zurückzuführen, die zu verkürzten Sehnen führt und das Beugen und Strecken der Gliedmaßen erschwert. Manche Menschen mit Spastik leiden unter starken, andauernden Schmerzen in den Gelenken.

Ein leichter Grad an Spastik kann allerdings unter Umständen motorische Schwäche in den Beinen kompensieren. Patienten ist es dann möglich, zu gehen, aufzustehen oder sich von einem Platz zu einem anderen zu bewegen.

Ursachen von Spastik bei MS

Die Zellen des Nervensystems heißen Neuronen. Sie sind geschützt durch eine Art „Hülle“, die aus einem Protein namens Myelin besteht (so wie ein Stromkabel von einer Kunststoffhülle umgeben ist). Die Neuronen empfangen und geben die Signale weiter, die für das normale Funktionieren unserer motorischen Fähigkeiten und Sinne benötigt werden. Für die Verarbeitung dieser Funktionen ist das Zentralnervensystem (umfasst Gehirn, Kleinhirn und das Rückenmark) zuständig. Es ermöglicht zum Beispiel, dass sich einige Muskeln bei einer bestimmten Bewegung zusammenziehen, während andere entspannt sind. Das ist wiederum möglich, weil das Gehirn ständig Informationen an das Rückenmark und von dort zu den Muskeln sendet.

Bei Multipler Sklerose werden diese Informationen nicht korrekt übermittelt, da die Bahnen zwischen Gehirn, Rückenmark und Muskeln beschädigt sind. Die präzise motorische Steuerung geht allmählich verloren. Die gleichzeitige Kontraktion der Streck- und Beugemuskeln führt zu einer mangelnden Koordination, die oft schmerzhaft ist und den Patienten schwächt.

Wie bei allen Symptomen bei MS ist auch die Spastik auf den fortschreitenden Abbau des Myelins und der Nervenfasern zurückzuführen. Dadurch kommt es zu einer entsprechend beeinträchtigten Signalübermittlung durch die Neuronen, die für die Übertragung der Impulse vom Gehirn und dem Rückenmark an die Muskeln zuständig sind. Das hat eine übermäßige Aktivierung zur Folge. Die Alpha-Motoneuronen (zuständig für die Initiierung der Muskelkontraktionen) sind hiervon besonders stark betroffen.

Wie häufig tritt Spastik bei MS auf?

Die meisten Patienten mit Multipler Sklerose leiden unter Spastik, jedoch in unterschiedlicher Intensität.

Die Erkrankung MS ist sehr vielschichtig in ihrer Ausprägung und ihrem Verlauf. Das bedeutet, dass auch die Spastik individuell sehr unterschiedlich auftreten kann. Sie kann nur eine Extremität oder alle betreffen. Die Ausprägung kann von einzelnen anfallsweise auftretenden Wadenkrämpfen zu Beginn der Erkrankung bis hin zu beidseitiger Spastizität im Laufe der Erkrankung gehen.

Spastiksymptome können sich bezüglich ihrer Intensität, Dauer und Erholungsphase bei verschiedenen Patienten stark unterscheiden. Ihre Intensität kann von leicht (keine Beeinträchtigung des täglichen Lebens) bis schwer (starke Beeinträchtigung der Aktivitäten des täglichen Lebens) reichen.

Spastik – Diagnose und Überprüfung

Um das Fortschreiten der Spastik zu diagnostizieren und zu überprüfen, können verschiedene Tests durchgeführt werden. Diese Tests bewerten die Muskelaktivität:

  • Analyse der Eigenschaften der willkürlichen und unwillkürlichen Bewegungen der Arme und Beine.
  • Messung der Häufigkeit und Intensität spontaner Muskelaktivität (Krämpfe, Klonus).
  • Befragung des Patienten, des Angehörigen oder der Pflegekraft zum Gesamteindruck.
  • Einschätzung der Fähigkeit des Patienten, bestimmte Aktivitäten durchzuführen (wie z. B. Gehen oder Körperpflege) oder der allgemeinen Lebensqualität des Patienten.

Es stehen Messskalen wie die Ashworth-Skala, die Numerische Rang Skala (NRS), der umfassende klinische Befund etc. zur Verfügung, um den Grad der Spastik klinisch einzuschätzen.

Spastik-Behandlung

Menschen mit MS und Spastik werden meistens von einem interdisziplinären Team behandelt. Dieses setzt sich aus Fachärzten und Pflegefachkräften, Psychologen, Logopäden und/oder Physiotherapeuten zusammen. Gemeinsam entscheiden sie über die beste Therapie.

Die Zielsetzungen bei der Behandlung der Spastik sind:

  • Mobilität: Der Spastik-Patient soll die betroffenen Gliedmaßen besser benutzen können und wieder in der Lage sein, seine Aktivitäten des täglichen Lebens auszuführen.
  • Wohlbefinden: Die im Zusammenhang mit Muskelsteifheit oder Krämpfen auftretenden Schmerzen und Beschwerden sollen verringert werden.
  • Körperpflege: Durch eine verbesserte Haltung soll eine selbstständige persönliche Hygiene erleichtert werden.
  • Lebensqualität: Die Fähigkeit, die Aktivitäten des täglichen Lebens auszuführen, soll beibehalten oder verbessert werden (z. B. Mobilität, Arbeit, Familie oder Freizeitaktivitäten).

Zu Ihrer Information sind die verfügbaren Richtlinien zur Behandlung der Spastik im Zusammenhang mit MS wie folgt beschrieben:

1.Nicht-pharmakologische Behandlungen

a) Physiotherapie bei Spastik

Physiotherapie (Rehabilitation) ist ein wichtiger Bestandteil der Behandlung der Spastik-Symptome und bietet folgende Möglichkeiten:

  • Physiotherapie: Hier werden Übungen zur regelmäßigen passiven Streckung gezeigt. Diese Übungen helfen, die Muskeln, die durch die Spastik beeinträchtigt sind, wieder zu stärken, zu dehnen und zu entspannen. Gleichzeitig wird die Mobilität der Gelenke verbessert und die Durchblutung gefördert. In der Physiotherapie werden Ihnen wahrscheinlich eine Reihe von Übungen gegen Ihre Spastik-Symptome gezeigt, die Sie zu Hause selbstständig nachmachen können.

Die Physiotherapie kann dabei helfen, Symptome zu lindern sowie zu verhindern, dass der Patient bei Bewegungen eine falsche Haltung einnimmt oder sich schlechte Angewohnheiten einschleichen, die die Spastik verschlimmern könnten. In manchen Fällen ist es nötig, dass der Patient seine Art zu gehen ändert oder ein Hilfsmittel benutzt, das ihm die Bewegung erleichtert. So kann Muskelkrämpfen vorgebeugt werden.

Bei leichter Spastik werden die Patienten in der Regel angewiesen, mit Stärkungs- und Dehnungsübungen für eine gute körperliche Verfassung zu sorgen. Bei mittelschwerer bis schwerer Spastik kann der Physiotherapeut Übungen und Körperhaltungen einbauen, die den Muskeltonus reduzieren (um einen übermäßigen Muskeltonus zu vermeiden, damit die Muskeln weniger steif sind). Auch Kältetherapie und Muskel-Mobilisierungstechniken können eingesetzt werden.

Dehnungsübungen können aktiv (vom Patient alleine) oder passiv (mithilfe einer anderen Person) durchgeführt werden, weshalb der Physiotherapeut des Öfteren auch den Betreuer des Spastik-Patienten mit einbezieht.

  • Hydrotherapie (Übungen in einem Swimmingpool) kann auch zur Entspannung der Muskeln von Spastik-Patienten beitragen. Manchmal erweist sich auch die Anwendung von Kühlpads oder ähnlichen Hilfsmitteln (Kryotherapie) als hilfreich. Auch Massagen können Muskelsteifheit reduzieren.
  • Ergotherapeuten arbeiten, wenn möglich, mit den Physiotherapeuten zusammen. Sie versuchen herauszufinden, inwiefern die körperlichen Symptome das tägliche Leben der Patienten beeinträchtigen. Sie wollen dabei helfen, die Selbstständigkeit der MS-Patienten beizubehalten, indem sie ihnen bestimmte Bewegungen beibringen, die ihre spastischen Symptome berücksichtigen. So stellen sie zum Beispiel fest, wie das Aufstehen und Hinsetzen des Patienten bzw. seine Bewegung zum und vom Stuhl weg durch die Spastik beeinträchtigt wird. Ein Ergotherapeut empfiehlt außerdem bestimmte Hilfsmittel, die dem Patienten bei der Durchführung von Bewegungen im Alltag helfen. Somit wird sichergestellt, dass Bett, Stuhl oder Rollstuhl des Patienten für ihn geeignet sind.

b) Operation

Abhängig vom Patienten und dem Ausmaß seiner Krankheit kann eine Operation bei schweren Fällen von Spastik die letzte mögliche Alternative sein. Zur Behandlung der Spastik sind verschiedene Arten von Operationen möglich.

  • Die orthopädische Chirurgie kann zum Einsatz kommen, wenn die Ärzte entscheiden, die Sehnen zu verlängern, Gelenke zu sichern oder Fehlbildungen anderer Art zu korrigieren.
  • Eine operative Korrektur kann im Zusammenspiel mit der geeigneten Rehabilitation  Entspannungsphasen verlängern, Schmerzen verringern und Wundliegen (geschwächtes Hautgewebe, das hart, trocken und perlweiß, grau oder schwarz wird) vermeiden.

c) Verschiedene orthopädische Orthesen

Sie sollen dafür sorgen, dass deformierte Gliedmaßen durch eine korrekte Haltung wieder benutzt werden können.

d) Alternative Behandlungsmethoden

Alternative Behandlungsmethoden sind Akupunktur (bei bestimmten Schmerzarten) und Entspannungstechniken wie Yoga und Meditation. Es fehlt jedoch an umfangreichen Studien, die deren Wirksamkeit belegen.

2. Medikamente zur Behandlung von Spastik

Es können Medikamente zur Behandlung der Spastik verschrieben werden: von Muskelrelaxantien bis hin zu niedrig dosierten Antiepileptika. Die wichtigsten Medikamente sind nachfolgend aufgelistet:

  • Orale Muskelrelaxantien wie Baclofen oder Tizanidin
  • Benzodiazepine wie Diazepam
  • Zugelassene Cannabinoide wie THC-/CBD-Mundspray

3. Invasive (injizierbare) medikamentöse Behandlungen

Lokal injizierbare medikamentöse Behandlungen sind eine mögliche Alternative für Patienten mit Spastik, die nur einen kleinen Bereich betrifft (fokale Spastik) oder für Patienten, die nicht auf orale Medikamente ansprechen. Hierbei gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten:

  • Neurotoxine: Neurotoxine werden direkt in den Muskel injiziert, reduzieren die Muskelspannung und behandeln lokale (fokale) Spastik. Die Wirkung hält ca. zwei bis vier Monate lang an. Diese Behandlung ist oft Teil eines Programms, das auch Rehabilitationsmaßnahmen umfasst.
  • Intrathekal verabreichte Muskelrelaxantien: Dies ist eine letzte Option für Patienten mit Spastik in den unteren Gliedmaßen, die nicht auf andere Medikamente ansprechen oder diese nicht vertragen. Zu ihrer Verabreichung wird ein Katheter (dünner Schlauch) intrathekal (Bereich, der das Rückenmark umgibt) eingeführt und über eine Infusionspumpe an ein Medikamentenreservoir angeschlossen. Diese wird zur direkten Verabreichung des Medikaments in das Rückenmark operativ unter die Bauchdecke des Spastik-Patienten implantiert. Dies erfordert besondere Sorgfalt.

Quellen:

1. US National Multiple Sclerosis Society, MS symptoms: http://www.nationalmssociety.org/Symptoms-Diagnosis/MS-Symptoms
2.Drs. M. Murie and E. Moral (2011): Espasticidad en Esclerosis Múltiple, ISBN: 978-84-15198-27-7, Luzán 5, S.A., Madrid, Spain.

Diese allgemeinen Informationen haben nicht die Absicht, eine Krankheit zu diagnostizieren oder medizinisches Fachpersonal zu ersetzen. Um die beste Beratung für Ihre Krankheit sowie Antworten auf Ihre medizinischen Fragen zu erhalten, sollten Sie einen Mediziner konsultieren. Nur ein Arzt kann Ihre Lage vollumfänglich und angemessen einschätzen und entscheiden, welche Behandlungen erforderlich sind. 

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Diese allgemeinen Informationen haben nicht die Absicht, eine Erkrankung zu diagnostizieren oder medizinisches Fachpersonal zu ersetzen. Um die beste Beratung für Ihre Krankheit sowie Antworten auf Ihre medizinischen Fragen zu erhalten, sollten Sie einen Mediziner konsultieren. Nur ein Arzt kann Ihre Lage vollumfänglich und angemessen einschätzen und entscheiden, welche Behandlungen erforderlich sind.