Bewegungseinschränkung

Bei Patienten mit Multipler Sklerose (MS) wird Mobilitätsverlust als Bewegungseinschränkung definiert, die durch das Zusammenspiel verschiedener Faktoren wie mangelnde motorische Koordination, Muskelschwäche, Spastik, Gleichgewichtsprobleme und Fatigue verursacht wird. Sie beeinträchtigt die Aktivitäten des täglichen Lebens.

Bewegungseinschränkung bei Multipler Sklerose

Bei Patienten mit Multipler Sklerose (MS) wird Mobilitätsverlust als Bewegungseinschränkung definiert, verursacht durch das Zusammenspiel verschiedener leichter bis schwerwiegender Faktoren wie mangelnde motorische Koordination, Muskelschwäche, Spastik (Muskelsteifheit und -krämpfe), Gleichgewichtsprobleme und Fatigue, die alle bei MS auftreten können.

Für MS-Patienten kann es aufgrund der Einschränkung ihrer Bewegung eine Herausforderung sein, die Aufgaben ihres täglichen Lebens zu erledigen. Dies kann je nach Schwere der Beeinträchtigungen zu einem Verlust der Selbstständigkeit führen.

Bewegungseinschränkung: Symptome

Bewegungseinschränkungen treten bei MS als Folge der folgenden Probleme auf:

Muskelschwäche: Muskelschwäche ist eine häufige Ursache, die zu Problemen beim Gehen und bei anderen Aktivitäten führt. Muskelschwäche kann folgende Probleme auslösen: Nachziehen des Fußes beim Gehen, unkontrolliertes Fallenlassen des Fußes, Wackeln, Humpeln (weil der Patient sich auf dem stärkeren Bein abstützt), Anheben der Hüften etc. Schwäche in beiden Beinen wird auch als „Paraparese“ bezeichnet und Schwäche in einem Bein als „Monoparese“. Mit Hilfe der richtigen Übungen und durch den Einsatz unterstützender Hilfsmittel, können die Bewegungen erleichtert bzw. verbessert werden. Zu diesen Geräten gehören u.a. Haltegriffe, Krücken, Gehstöcke, verstellbare Betten, Rollstühle etc. Auch bei den oberen Gliedmaßen kann Muskelschwäche auftreten.

Spastik: Muskelsteifheit oder Spastik sowie damit verbundene Muskelkrämpfe können ebenfalls die Mobilität erschweren. Ein gewisser Grad an Spastik kann einen Verlust an Muskelkraft kompensieren und das Gehen erleichtern. Durch eine stärker ausgeprägte Spastik werden jedoch das normale Gehen sowie Aktivitäten, für die die oberen Gliedmaßen benötigt werden (wie Gegenstände zu halten oder mit ihnen zu hantieren), schwierig. Hier erweisen sich Dehnungsübungen und bestimmte Medikamente gegen Spastik als effektive Behandlung zur Reduzierung der Mobilitätseinschränkungen.

Gangqualität: Bis zu 70% der Patienten leiden unter einer Spastik in den Beinen. Tritt eine Spastik in den unteren Gliedmaßen auf, kann darunter auch die Gangqualität leiden. Grund hierfür sind die Auswirkungen der Spastik auf die Rumpf-, Oberschenkel- und Wadenmuskulatur. Dadurch kann sich die Drehbarkeit der Hüfte verschlechtern und auch die Beugung und Streckung des Knies ist nicht mehr so einfach möglich. Das Gangbild erscheint somit steif und die Patienten laufen „nicht rund“.

– Verlust des Gleichgewichts: Probleme mit dem Gleichgewicht führen dazu, dass die betreffende Person beim Gehen taumelt (Ataxie). Bei schweren Fällen von Ataxie sind Hilfsmittel notwendig, um sich bewegen zu können.

Fehlende Sensibilität: Manche Patienten haben ein Taubheitsgefühl (mangelnde Sensibilität) z.B. im Fuß, so dass sie den Boden nicht spüren oder nicht genau fühlen, wo sich ihre Füße beim Gehen befinden. Hinzukommen kann eine mangelnde Sensibilität in den Händen, wodurch es schwerfällt, diese zu bewegen. Dieses Phänomen wird als „sensorische Ataxie“ bezeichnet.

Fatigue: Mobilitätseinschränkungen werden schlimmer, wenn der Patient müde bzw. erschöpft ist. Fatigue tritt sehr häufig bei einer MS auf.

Ursachen

Wie funktionieren die Skelettmuskeln normalerweise und wie läuft ihre Koordination bei der Bewegung ab? Die Befehle zu willkürlichen Bewegungen kommen aus der Hirnrinde, während unwillkürliche Bewegungen (Reflexe, mit der Hand aus dem Feuer zurückzucken, …) ihren Ursprung in niedrigeren Ebenen des Nervensystems haben. Die muskuläre oder motorische Koordination ist die Fähigkeit der Skelettmuskeln des Körpers, sich bezüglich der Richtung und Bewegung aufeinander abzustimmen.

Bewegungen sind das Resultat koordinierter und effizienter Muskelkontraktionen, an denen nicht nur die betreffenden Muskeln, sondern auch Gelenke und Nerven etc. beteiligt sind. Muskelkoordination ist das Ergebnis einer integrierten Funktionsweise des Nervensystems, des Skeletts, des Gehirns und des Rückenmarks. Zusätzlich verarbeitet das Kleinhirn die Informationen, die kleinere, präzisere Bewegungen ermöglichen.

Bei MS sind die Bahnen zwischen Gehirn, Rückenmark und Muskeln beschädigt. Die präzise motorische Steuerung geht allmählich verloren und die gleichzeitige Kontraktion der Streck- und Beugemuskeln führt zu einer mangelnden Koordination, die oft mit Schmerzen und einer Schwächung des Patienten einhergeht.

Wie bei allen im Zusammenhang mit MS auftretenden Symptomen ist auch die Bewegungseinschränkung auf den fortschreitenden Abbau des Myelins und der Nervenfasern zurückzuführen. Dadurch wird die Übermittlung von Nervensignalen an die Muskeln, die die Mobilität ermöglichen, unterbrochen und infolgedessen erhalten diese Muskeln nicht die richtigen Befehle zur Kontraktion. Gleichzeitig werden die oberen, für Motorik zuständigen Nervenzellen, die den Muskeltonus (Steifheit) und die Reflexe steuern, beschädigt, was zu dauerhaften Muskelkontraktionen führt (darunter auch spontane Kontraktionen wie Spastik) und die Gelenkreflexe beeinträchtigt. Letztlich beeinträchtigen auch Schäden an der Kleinhirnbahn die Koordination der Bewegungen. All dies führt zu Bewegungseinschränkungen.

Etwa 91 % der MS-Patienten leiden unter Bewegungseinschränkungen. Normalerweise treten diese schon zu Beginn der Krankheit und zunächst in leichter Form auf, werden aber in der Regel mit fortschreitender Erkrankung schlimmer.

Behandlung von Bewegungseinschränkung 

  • Medikamente

Ihr Arzt kann Ihnen Medikamente zur Behandlung von Bewegungseinschränkungen (wie Muskelrelaxantien) verschreiben, die Ihren jeweiligen Zustand verbessern können.

  • Hilfsmittel zur Verbesserung der Mobilität

In frühen Stadien der Multiplen Sklerose und geringer Bewegungseinschränkung sind meist keine Hilfsmittel nötig, weil Patienten ihren Alltag trotz der auftretenden Bewegungsstörungen selbstständig meistern können. Bei einem Fortschreiten der Krankheit benötigen die Patienten jedoch meist Hilfsmittel wie z.B. Gehstöcke, Krücken, Rollatoren und/oder Rollstühle.

– Bei Gleichgewichtsstörungen, Schwäche, Spastik oder Fatigue kann Ihnen die Benutzung von einer oder zwei Krücken dabei helfen, sicherer zu gehen. Krücken bieten Ihnen nicht nur Hilfe beim Gehen und verringern das Fallrisiko, sondern ermöglichen Ihnen insgesamt, sich mehr zu bewegen. Dadurch können Sie die Schwere Ihrer Spastik- und Müdigkeitssymptome tagsüber verringern.

– Bei schwerwiegenderen Bewegungseinschränkungen, Gleichgewichts- oder Schwächeproblemen ist der Einsatz eines Rollators empfehlenswert, um Ihnen Stabilität zu geben. Ein Rollator mit zwei Vorderrädern ist besser geeignet als einer mit nur einem Vorderrad, weil dieser leichter zu handhaben und stabiler ist.

– Sie können mit oder ohne diese Hilfsmittel in der Lage sein, kurze Entfernungen zurückzulegen, werden jedoch Probleme bei weiteren Entfernungen haben oder wenn Sie länger außer Haus sind. In diesen Situationen ist es am besten, wenn Sie einen Rollstuhl verfügbar haben, den Sie immer dann einsetzen können, wenn Sie ihn benötigen. Sie können zwischen einem elektrischen und einem manuellen Rollstuhl wählen.

Quellen:

1.US National Multiple Sclerosis Society, MS symptoms: http://www.nationalmssociety.org/Symptoms-Diagnosis/MS-Symptoms
2.Drs. M. Murie and E. Moral (2011): Espasticidad en Esclerosis Múltiple, ISBN: 978-84-15198-27-7, Luzán 5, S.A., Madrid, Spain.

Diese allgemeinen Informationen haben nicht die Absicht, eine Krankheit zu diagnostizieren oder medizinisches Fachpersonal zu ersetzen. Um die beste Beratung für Ihre Krankheit sowie Antworten auf Ihre medizinischen Fragen zu erhalten, sollten Sie einen Arzt/eine Ärztin konsultieren. Nur ein Arzt kann Ihre Lage vollumfänglich und angemessen einschätzen und entscheiden, welche Behandlungen erforderlich sind. 

 

 

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Diese allgemeinen Informationen haben nicht die Absicht, eine Erkrankung zu diagnostizieren oder medizinisches Fachpersonal zu ersetzen. Um die beste Beratung für Ihre Krankheit sowie Antworten auf Ihre medizinischen Fragen zu erhalten, sollten Sie einen Mediziner konsultieren. Nur ein Arzt kann Ihre Lage vollumfänglich und angemessen einschätzen und entscheiden, welche Behandlungen erforderlich sind.